Gerade Neugründer im IT-Bereich haben für die
Realisierung ihrer Geschäftsidee einen hohen Kapitalbedarf,
dabei aber sehr oft eine reichlich dünne Eigenkapital-Decke
und kaum Sicherheiten aufzuweisen.
Die Lösung sind die in den USA schon lange verbreiteten, bei
uns bisher eher stiefmütterlich behandelten
Venture-Capital-Finanzierungen: Investoren, die gegen eine
Beteiligung am Unternehmen Kapital zur Verfügung stellen. Auch
für Projektfinanzierungen von etablierten IT-Unternehmen wird
immer häufiger auf dieses Finanzierungsinstrument
zurückgegriffen. Und die Investoren sind grundsätzlich
willig. So hat zum Beispiel der Investor von you-tube.com seinen
Einsatz kürzlich verfünfzigfacht. Bei Mindjet wurde
ebenso auf eine gigantische Finanzspritze von privaten Investoren
zurückgegriffen, um die neuen Projekte zu finanzieren.
Aber auch bei uns boomt dieses Finanzierungsmodell – nicht
zuletzt deshalb, weil auch für die Investoren eine Beteiligung
an einem neu gegründeten Unternehmen höchst lukrativ sein
kann, und das Geld lockt. Auch spezielle Formen, wie beispielsweise
die Business Angels, die seit kurzem einen eigenen Verband in
Deutschland besitzen, finden immer mehr Verbreitung bei uns –
und immer mehr Zuspruch von Gründern.
Ein Grund für den VC-Boom im IT-Bereich ist auch die steigende
Zahl von potentiellen Investoren durch die zunehmende
Breitbanddurchdringung und das Steigen der Online-Werbebudgets bei
den Unternehmen. Dazu kommen noch astronomische Gewinnchancen
für die Investoren – wer würde sich heute nicht
wünschen, eine 25%-Beteiligung an Google zu
haben…
Einzig im OpenSource-Bereich hegt man immer noch gepflegte
Zurückhaltung auf Investorenseite, hier ist das Misstrauen,
nicht zuletzt seit die Dotcom-Blase so laut geplatzt ist, doch
relativ gross. Das heisst, wer mit einer OpenSource-Idee auf den
Markt will, wird es wohl schwerer haben, Kapital aufzutreiben.
Unmöglich ist es jedoch noch lange nicht.
Ein weiterer Grund für den Investment-Boom ist auch Web 2.0,
das seit seiner Einführung das Internet deutlich
verändert hat und auch jede Menge neue Marktchancen
eröffnet. Man findet immer mehr sogenannte
„heatseekers“, Leute, die grundsätzlich alles
ausprobieren was ihnen beim Surfen über den Weg kommt –
und wenn es dann funktioniert, auch weitererzählen. Damit wird
der heimliche Traum jedes Anhängers von viralem Marketing in
greifbare Nähe gerückt. Und wenn man es schafft, seine
Träume auch mit seinen Investoren zu teilen, hat man praktisch
schon gewonnen.
Abgesehen von den hohen Gewinnchancen und den Möglichkeiten
die der IT-Bereich bietet, besteht gerade dort aber auch ein sehr
hohes Ausfallsrisiko, und dessen sind sich auch manche Investoren
durchaus bewusst. Es braucht immer noch eine überzeugende
Geschäftsidee und jede Menge KnowHow und Branchenkontakte, um
wirklich an Venture-Kapital heranzukommen. Das Unternehmen
beispielsweise, das mit seiner neuen Programmiersprache
„Curl“ HTML komplett ablösen will, hat es
wahrscheinlich trotzdem immer noch schwer, genügend Investoren
aufzutreiben…